Homeless

Seit Sonntag Abend bin ich wieder in Millersville. Der Rest unserer Kalifornien-Reise war, sagen wir, ziemlich turbulent. Nach Los Angeles sind wir nach Santa Barbara aufgebrochen, wo wir bei einem Typen uebernachtet haben, der einen Doktor in Business hat und 10 Jahre als Moench im Tempel verbracht hat. Da sieht man mal wieder, welche unerwarteten Wege das Leben einschlagen kann.

Am naechsten Morgen sind wir direct weiter nach Monterey. Dabei sind wir die ganze Zeit am Meer entlang gefahren. Leute, so eine atemberaubene Landschaft habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen und wir sind zwischendurch immer wieder mal angehalten nur um den Ausblick zu geniessen. In Monterey sind wir auch nur ueber Nacht geblieben und dann gleich weiter zum Sequoia National Park, wo man die sogenannten Sequoias oder Redwood Trees sehen kann. Die Baeume sind so riesig, sowohl in Hoehe alsauch in Breite, dass man problemlos darin leben koennte. Uebernachtet haben wir im Zelt. Diese Nacht warden ich wohl nie vergessen, weil ich nicht weiss, wann ich das letzzte mal so gefrohren habe. Man vermutet es gar nicht, aber waehrend es tagsueber zwischen 20 und 25 Grad waren, konnte die Temperatur nachts schnell mal auf 3-5 Grad fallen. Und unsere $10-Schlafsaecke vom Walmart hielten uns leider auch nicht besonders warm. Zudem mussten wir unser gesamtes Essen und alles was nur irgendwie riecht (Shampoo, Crème) in einen Eisenschrank auf unserem Zeltplatz packen, weil es in der Gegend nur so von Baeren wimmelte. Ein etwas beunruhigender Gedanke, wuerde ich sagen. Und ja, am naechsten Tag fanden wir tatsaechlich Baerenspuren direkt vor unserem Zelt. Einen Baeren habe auch gesehen, zum Glueck aber nur aus dem Auto.

Als naechstes stand Yosemite National Park auf dem Plan, allerdings haetten wir dafuer schon Monate zuvor einen Campingplatz reservieren muessen. Was tun? Folgendes: Man komme um zwei Uhr morgens am Park an und stellt sich in abwechselnden Schichten in die bereits vorhandene Warteschlange und einen der “First-comes-first-serves” Campingplaetzte zu ergattern. Genau das taten wir. Waehrend einer in der Schlange wartete, schliefen die anderen im Auto. Nach 1 Stunde und 15 Minuten wurde gewechselt. Im Endeffekt war es den Aufwand aber nicht Wert gewesen, da an dem Wochenende Memorial-Weekend war, die Leute also freihatten und der Park voll mit Beuschern und dementsprechend mit Autos war, was e suns teilweise unmoeglich machte machte ueberhaupt irgendetwas zu sehen. Schade drum.

Schliesslich machten wir uns auf nach Sacramento, von wo aus wir zu einer Goldmiene gefahren sind und dann endlich steuerten wir unser letztes Ziel an: San Francisco. Diese Stadt hat es bereits am ersten Tag in die Top 5 meiner Lieblingsstaedte geschafft. Viktorianische Altbauten in den buntesten Farben, extreme steile Strassen, die einem das Fahren mit einem Schaltauto zur Tortur machen wuerden und diese “laid-back” Atmosphaere, die man in der gesamten Stadt spuert. Vor allem mochte ich Haight-Ashbury, weil man da noch das Flair der Hippie-Zeit in den 60ern sieht. Dort reihen sich Haeuser in leuchtendem Blau und Gelb, es riecht ueberall nach Gras und man trifft auf Gestalten, die sich ganz und gar der Counterculture verschrieben haben. Da kommt es auch mal vor, dass man am helligsten Tage auf der Hauptstrasse gefragt wird, ob man an etwas Gras interessiert ist…es hatte schon ein Bisschen was von Amsterdam. Ansonsten haben wir uns noch das ehemalige Gefaengnis Alcatraz angeschaut, waren im Golden Gate Park und dort in der Academy of Science (eine Kombination aus Aquarium, Planetarium und Natural History Museum), in Chinatown und an der Golden Gate Bridge, die leider zur Haelfte von einer Nebelwolke eingehuellt war. Samstag Abend musste ich mich auch schon schweren Herzens von Daphne und Valerie verabschieden, die am naechsten Morgen ihren Flug zurueck nach Frankreich antraten. Ich dagegen musste schon an dem Abend losziehen, auch wenn ich gut noch ein paar Tage haette dranhaengen koennen.

Jetzt bin ich wieder in Millersville und es hat sich so viel veraendert. Ich wohne nicht mehr im International House, sondern bei einer Freundin. Zum einen habe ich momentan also kein richtiges zu Hause. Zudem sind im International House jetzt zwei meiner besten Freunde, die auch untereinander nur gut befreundet waren, ein Paar, womit ich im Leben nicht mit gerechnet haette. Zudem ist das Haus momentan ziemlich leer. Ueberhaupt ist diese letzte Woche hier ziemlich planlos und es kommt mir vor, als wuerde ich nur Zeit totschlagen.Alles in allem werde ich einfach versuchen alle Leute noch einmal zu sehen und mich von ihnen zu veranschieden.

Meiner Rueckkehr nach Deutschland stehe ich mit gemischten Gefuehlen gegenueber. Es hat so lang gedauert, bis ich mich hier eingelebt habe und jetzt, wo mir hier endlich ein Leben aufgebaut habe, muss ich es schon zuruecklassen. Und viele Freunde habe ich auch erst im zweiten Semester kennen gelernt. Demnach konnten wir auch nicht beonders viel Zeit miteinander verbringen. Ich war einfach so lange weg und mein Leben hier war so anders, dass ich gar nicht weiss, ob ich das Leben, das ich in Deutschland hatte, ueberhaupt noch will. Hier in den Staaten bin ich so viel aktiver, ich unternehme viel mehr, versuche so viel wie moeglich mitzinehmen, weil ich eben weiss, dass meine Zeit hier nur begrenzt ist. In Deutschland dagegen, verlaeuft mein Leben eher passiv. Ich habe Plaene, unendlich viele, die aber nie zur Umsetzung kommen. Das sollte sich natuerlich aendern, sobald ich wieder da bin, aber in der Theorie ist ja bekanntlich immer alles einfacher als in der Praxis.

2.6.09 17:20

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