Zwischen Stress und Abschiedsstimmung

Jaaa, ich weiß, ihr seid alle ganz böse auf mich, weil ich kaum noch hier reinschreibe. Aber momentan bin auch wirklich permanent auf Trapp und versuche all das, was ich noch machen will in die extrem kurze Zeit zu packen, die mir hier noch geblieben ist. Ich weiß zwar, es sind nur noch knappe zwei Wochen, die ich noch in Millersville sein werde, aber so richtig realisiert, habe ich es noch nicht. In Sachen Uni arbeite ich mich langsam durch den Arbeitsberg aus Projekten und Essays. Zum Glück habe ich keine Klausuren. Ich kann euch sagen, ich freue mich schon richtig auf die gute alte deutsche Uni, in der ich guten Gewissens eine ganze Woche auch mal GAR NICHTS tun kann. Hier undenkbar. Du wirst regelmäßig überschüttet mit kleinen Assignments, Readings, Essays, Projekten usw. und so langsam reicht es mir wirklich. Nebenbei versuche ich noch so viel Zeit wie möglich mit meinen Freunden zu verbringen. Hier im MIH haben wir nächste Woche unser „Ethnic Picknick“, eine Art Abschiedsfeier, für die jeder eine Spezialität aus seinem Heimatland zubereitet.

Gestern dann, war ich endlich das erste Mal in Philadelphia, obwohl es gerade mal eine Stunde weg liegt. Ich hatte mir schon die ganze Zeit vorgenommen dorthin zu gehen, aber es nie geschafft. Und da dieses Wochenende hier das letzte war, an dem ich Zeit hatte, dachte ich mir „Jetzt oder nie“ und hab mich einfach in den Zug gesetzt und bin nach Philly gefahren. Da wir kurz vor den Endklausuren stehen, konnte sich leider keiner finden, der mich begleitete, aber dennoch hatte ich einen super schönen Tag dort. Es hat auch seine Vorteile irgendwo ganz allein hinzugehen, weil man wirklich nur das machen kann, was man selbst und auf niemanden Rücksicht nehmen muss. Zum Beispiel habe ich in Philly nicht einfach nur die großen Touristenpunkte, wie Independence Hall, Liberty Bell usw. abgeklappert, sondern hab mich auch mal für eine Stunde in den Park gesetzt und bin danach durch kleine, Sträßchen und Gässchen gelaufen, in denen man normal keine Touristen findet. Nebenbei habe ich auch viel Zeit beim Shoppen verbracht und mal wieder viel zu viel Geld ausgegeben, u.a. für meine neuen Chucks, die ich für ganze 35$ ergattert habe. Schon komisch, denn früher mochte ich Cucks nie wirklich, weil ich sie immer mit diesen pseudo-alternativen Emo-Kids assoziiert habe, aber irgendwie habe ich doch Gefallen an ihnen gefunden.

Wie auch immer, ich kann es immer noch kaum glauben, dass mir noch weniger als zwei Wochen geblieben sind. Am 2. Mai ist die offizielle Graduation Ceremony, zu der ich von meiner Freundin Neeta eingeladen wurde, die nach diesem Semester ihren MBA haben wird. Ich will gar nicht daran denken, dass ich mich für unbestimmte Zeit von ihr verabschieden muss. Über die Monate sind wir unheimlich zusammengewachsen. Für mich ist sie schon fast wie eine Schwester. Es ist diese bedingungslose Freundschaft, bei der du weißt, dass der andere absolut hinter dir steht und dass du ihm unter allem Umständen vertrauen kannst. Sie hat mich sogar schon nach Nepal, ihrem Heimatland, eingeladen und ich bin mir ganz sicher, dass ich auch kommen werde (auch wenn das vielleicht erst nach meinem Studium möglich ist). Ist schon Wahnsinn, was für Kontakte man während eines Auslandsaufenthaltes knüpft, und es ist mit das Bereichernste an der ganzen Sache. Es gab echt Momente für mich, in denen alles einfach nur zum Kotzen war und vor allem Neeta war eine Person, die es auf wundersamer Weise meistens schaffte, meine Stimmung um 180° zum Positiven zu wenden. Sie gehört definitiv zu den Leuten, die ich am meisten vermissen werde und ich bin einfach nur dankbar, sie kennen gelernt zu haben.

Nach den zwei Wochen trete ich dann meine große Reise an. Erst geht es nach Boston und noch einmal nach New York und dann direkt nach Las Vegas und Californien. Einerseits ist der Gedanke daran schon aufregend, andererseits ziemlich beängstigend, wenn man bedenkt, dass ich ganze vier Wochen unterwegs sein werde. Momentan bin ich so ziemlich überwältigt von meinen ganzen Erlebnissen, Eindrücken und der generellen Abschiedsmentalität hier. Daher versuche ich nicht so viel darüber nachzudenken, sondern mich mehr oder weniger einfach treiben zu lassen, bis es dann wieder zurück in die Heimat geht, ein Gedanke, der mir gleichzeitig Vorfreude, aber auch Magenschmerzen beschert...

20.4.09 05:19

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