Be professional!

Seit zwei Wochen nun bin ich jeden Montag und Mittwoch an der Reynold’s Middle School und erlebe dabei den amerikanischen Schulalltag. Dabei wurden wir absichtlich zu sogenannten „urban schools“ geschickt, also Schulen in Städten, in denen der Immigranten-Anteil recht hoch ist. So sollen die an „heile-Welt sub-urban Schools“ gewöhnten Studenten den wahren Hardcore-Schulalltag erleben und für ihr zukünftiges Lehrerdasein abgehärtet werden. Doch, eins kann ich euch sagen, vergesst Lizzy McGuire und all die anderen Serien in denen ein komplett verkitschtes Bild von amerikanischen Schulen vermittelt wird. Es geht viel nüchterner und vor allem normaler zu. Zu allererst tragen alle Schüler Schuluniformen, was zwar nicht amerikanischer Standard ist, aber vor allem an Schulen in Städten recht verbreitet ist. Auch für die Lehrer gibt es eine Kleiderordnung: für Männer bedeutet das Hemd und Schlips und Stoffhose, für die Damen meist Bluse, Stoffhose oder Rock. Generell also relativ schick und bloß keine Jeans!! „Look professional!“ Das wurde uns zuvor in unserem Seminar eingetrichtert.

Ich muss gestehen, ich fand es schon lustig, wie die Mädels mit denen ich immer zur Schule fahre am ersten Tag total aufgeregt waren, sogar fast die Krise bekamen, weil sie nun tatsächlich an einer richtigen Schule sein werden. Ich bin mit eine ältesten im ganzen Seminar und habe aufgrund meiner vorherigen Praktika ja schon diverse Erfahrungen u.a. im Unterrichten gesammelt. Von daher sah ich dem ganzen ziemlich gelassen entgegen. Und unterrichten steht bei diesem Praktikum ja auch nicht unbedingt auf dem Programm.
Wie auch immer, ist schon interessant die kleinen aber feinen Unterschiede zu deutschen Schulen zu sehen, z.B. hat jeder Lehrer seinen eigenen Klassenraum und die Schüler wandern, während sie ihr Zeug im Schließfach aufbewahren. Zudem ist an jedem Morgen natürlich die typisch amerikanische „Pledge of Allegiance“ fällig, bei dem jeder Schüler aufsteht, sich zur amerikanischen Flagge wendet und Treue zum Vaterland schwört.

Ein weiterer Unterschied ist, dass der Lehrer praktisch den ganzen Tag dieselbe Unterrichtsstunde hält, nur jedes Mal vor einer anderen Klasse. Ich bin bei einem Bio-Lehrer für die 7. Klasse, d.h. in jeder Stunde trottet eine andere 7. Klasse ein und der Lehrer hält jedes Mal die gleiche Stunde mit kleinen Variationen, je nach Stand der Klasse. Das ist auch ein weiter Unterschied. Während es in Deutschland ja separate Sonderschulen bzw. Förderschulen gibt, ist in den Staaten alles in einer Schule integriert. Schüler, die spezielle Unterstützung brauchen, werden dabei in „Special Education Classes“ gesteckt. Ich bin ehrlich gesagt froh, dass ich in Deutschland weder jede Stunde dasselbe unterrichten muss, noch „Sonderschüler“ in meiner Klasse haben werde.
Auf jeden Fall ist es total interessant das alles mal zu sehen. Beim letzen Mal, hat die Klasse Ratten seziert und ich kam, entgegen meiner Erwartungen, ziemlich gut damit klar und konnte richtig viel mithelfen. Von der Uni bin ich es gewöhnt Mäuse und anderes Getier zu sezieren, doch bei Ratten hört es echt bei mir auf. Ich werde nie vergessen, wie einmal in New York in einer dieser Seitenstraßen Ratten vor mir herliefen. Ich hab mich schon fast geweigert den Weg weiter zu gehen und bei jedem Schritt paranoid um mich herum geguckt, total in Panik dass mich einer dieser Viecher anspringt. Umso überraschter war ich, wie leicht es mir viel, die Ratten im Unterricht mit bloßen Händen anzufassen.

Ab morgen dann ist Spring Break und ich habe ja schon vorher angekündigt, dass es für mich und vier weitere Glückliche nach Florida geht mit einem Zwischenstopp in Charleston, South Carolina. Zudem habe ich noch die einmalige Gelegenheit, von einem Freund, der bei Disney World arbeitet eventuell freie Eintrittskarten dafür zu bekommen. Es wäre echt Wahnsinn, wenn das klappen würde. Disney ganz umsonst!! In Miami und Tampa werden wir dann Sau rauslassen und feiern gehen. Das witzige ist, dass nur Daphné (das Mädel aus Frankreich) und ich 21 sind. Aber dann machen wir eben zu zweit die Kneipen und Clubs unsicher, während sich die anderen bei Limonade in den Mc Donalds setzten können (ich bin ja so schadenfroh und gemein...)

27.2.09 06:32

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