Halbzeit

So langsam finde ich es etwas anstrengend den Blog hier up to date zu halten. Hab ihn ja schon ziemlich lange. Wahrscheinlich wird mein Amerika-Jahr einfach der krönende Abschluss. Die Hälfte hab ich ja schon hinter mir. Kaum zu glauben. Ihr werdet euch vielleicht fragen, wie mein Fazit lautet.

Ich kann gar nicht sagen, ob die Zeit besonders schnell oder langsam vorbei gegangen ist. Klar ist es schon komisch festzustellen, dass plötzlich die Hälfte rum ist, allerdings kamen mir die letzten 5 Monate auch wirklich wie 5 Monate vor. Trotzdem bin ich froh noch weitere 5 Monate bleiben zu können, da jetzt einfach nicht der richtige Zeitpunkt wäre um zu gehen.
Ich hatte schon viele tolle Momente hier, wenn ich da an die wahnsinnigen Tage in New York denke, in denen wir einfach bei irgendwelchen Leute in Manhattan übernachtet haben, aber auch generell die Zeit, die ich mit meinen Freunden hier verbracht habe. Genauso gab es viele Momente, in denen es unheimlich schwer war hier zurecht zu kommen, vor allem die ersten Wochen, in denen ich den Kulturschock verdauen musste, und Deutschland unheimlich vermisst habe. Und dann war da natürlich das etwas trostlose Weihachten. Eigentlich war ich ja von meinem Roommate nach Hause eingeladen worden, das hat dann aber leider nicht hingehauen. Zum Glück hat der Betreiber des International House einen Christmas-Brunch bei sich zu Hause veranstaltet.
Silvester war schon etwas lustiger. Wir haben waren mit ein paar Leuten bei jemandem zu Hause, haben dort gegessen, Spiele gespielt usw. Vor Mitternacht sind wir in die Stadt gegangen, was wir uns aber hätten sparen können, da es aufgrund starken Winden kein Feuerwerk gab. Momentan versuche ich die langweiligen Tage hier im International House zu überstehen. Sind zum Glück nur noch zwei, denn Donnerstag fahre ich mit ein paar Freunden nach Maryland an den Strand bevor das nächste Semester losgeht.

Eines meiner Hauptziele hier war es mich persönlich zu verändern, selbstbewusster und gelassener zu werden. Von Gelassenheit kann momentan keine Rede sein, da es mich schon ganz schön gefrustet hat nichts Besseres aus meiner Winter-Break gemacht zu haben. Ob ich selbstbewusster geworden bin, weiß ich nicht. Was sich auf jeden Fall verändert hat ist, dass ich total den Drang habe zu reisen und neue Dinge zu sehen. Ich hoffe, das ist nicht nur ein vorübergehender Zustand solange ich hier bin. Eine Sache, die ich hier gelernt habe, ist mehr Eigeninitiative zu zeigen, sei es auf Leute zu zugehen oder eine Reise zu planen. Es passiert ja viel zu oft, dass man mal plant irgendwann mal irgendwo hinzufahren, es dann aber im Sande verläuft, weil man ja nie Zeit hat und sooo viel zu hat. Mittlerweile bringt mich diese Einstellung nur noch zur Weißglut, weil ich mein Leben nicht mit Arbeit und Stress verbringen will, während ich all die schönen Dinge, die die Welt zu bieten hat verpasse.
Ein ganz großer Vorsatz für dieses Jahr ist, viel aktiver zu werden in meiner Freizeit und viel mehr zu unternehmen, auch wenn es nur das Ludwigsmuseum in Koblenz oder Spiegelslust in Marburg ist (für alle Nicht-Marburger: Spiegelslust ist ein Turm in Marburg, in dem angeblich Rapunzel eingesperrt gewesen sein soll...).

Dann wollte ich ja unbedingt meinen deutschen Akzent verlieren. Mittlerweile habe ich allerdings realisiert, dass das wohl nicht passieren wird und das es auch nicht schlimm ist, wenn man immer etwas raushören wird, wo ich herkomme, solange man mich versteht. Außerdem habe ich mir hier ein paar typische Ausdrucksweisen angewöhnt, z.B. setzte ich immer „kind of“, bzw. eher "kinda" vor alles möglich („This was kind of creepy.“). Dann neigt man hier dazu dasselbe Wort zweimal hintereinander auszusprechen, um es zu betonen, z.B.
A: „I have a date tonight!“
B: “Really! Like a date-date?” (Also, ein richtiges Date mit einem Kerl.)
Ein anderer „Slang“ hier, ist bei Zeitangaben ein „-ish“ anzuhängen, wenn die vorgegebene Zeit noch nicht feststeht, z.B. „I’m not sure, but I think we’re leaving around 8-ish.“

Ich erinnere mich außerdem noch genau, wie ich mir geschworen habe, mir nicht diese typisch amerikanischen Sprechweisen anzugewöhnen, wie das starke Rollen des „r“ am Ende eines Wortes (z.B. Decemberrrr), oder der bekannte „Flap“ bei dem man „t“ eher wie „d“ ausspricht, z.B. „budder“ statt „butter“. Tja, habe ich mich daran gehalten? Nein, ich rolle das „r“ am Ende eines Wortes kräftig, und „flappe“ immer das „t“ zu einem „d“, also statt „water“ gibts bei mir immer „wadderrrrr“. Dann hab ich mir auch angewöhnt immer „Hi, how are you???“ und bei jeder Gelegenheit „sorry“ zu sagen. Amis entschuldigen sich echt bei jeder Kleinigkeit, auch wenn sie an dir vorbeigehen und dich kurz berühren.

Am meisten bis ich darauf gespannt, ob ihr das Gefühl haben werdet, dass ich mich verändert habe. Ich selbst kann das gar nicht sagen. Ich fühle mich nicht unbedingt sehr anders, außer das ich mir vielleicht etwas leichter fällt auf Leute zuzugehen. Ein Semester bin ich ja noch hier. Vielleicht durchlebe ich in der Zeit ja noch weitere Wandlungen. Noch bin ich nicht ganz zum American Girl mutiert. Ich habe zwar eine ausgeprägte Leidenschaft für Brownies entwickelt und koche mir auch ab und zu mal ein Ei in der Mikrowelle (das geht echt so schnell!), aber ich schätze es immernoch meine Füße zu benutzen um irgendwo hinzukommen, bzw. mein Fahrrad (auch wenn ich die einzige (!) auf dem Bürgersteig bin), Burger und Pommes sind noch nicht mein Grundnahrungsmittel geworden und ich würde auch niiieee auf die Idee kommen in Jogging- oder sogar Pyjamahosen zur Uni zu gehen, bzw. im Winter Flip-Flops zu tragen. Zudem finde ich die Schokolade hier nach wie vor mittelmäßig bis schlecht. Hershey ist eben gar nichts gegen gute Lindt-Schokolade.

8.1.09 02:33

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


es.regnet.kekse / Website (8.1.09 06:13)
Huhu
ja hersheys ist echt total schlecht :D ich mag die ueberhaupt nich^^
[bin auch grad in nem austauschjahr in amerika]
und fleischwurst vermiss ich auch :D

achso btw, das kind of hab ich mir auch angewoehnt :D nur wenn ich das sag schauen mich manche bloed an, weil die hier eher kinda sagen xD
naja egal, ich bin grad nur was gelangweilt, weil um die zeit keiner aus deutschland on is :D

viel spasz noch bei dem rest von deinem jahr
liebe gruesze

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