Homeless

Seit Sonntag Abend bin ich wieder in Millersville. Der Rest unserer Kalifornien-Reise war, sagen wir, ziemlich turbulent. Nach Los Angeles sind wir nach Santa Barbara aufgebrochen, wo wir bei einem Typen uebernachtet haben, der einen Doktor in Business hat und 10 Jahre als Moench im Tempel verbracht hat. Da sieht man mal wieder, welche unerwarteten Wege das Leben einschlagen kann.

Am naechsten Morgen sind wir direct weiter nach Monterey. Dabei sind wir die ganze Zeit am Meer entlang gefahren. Leute, so eine atemberaubene Landschaft habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen und wir sind zwischendurch immer wieder mal angehalten nur um den Ausblick zu geniessen. In Monterey sind wir auch nur ueber Nacht geblieben und dann gleich weiter zum Sequoia National Park, wo man die sogenannten Sequoias oder Redwood Trees sehen kann. Die Baeume sind so riesig, sowohl in Hoehe alsauch in Breite, dass man problemlos darin leben koennte. Uebernachtet haben wir im Zelt. Diese Nacht warden ich wohl nie vergessen, weil ich nicht weiss, wann ich das letzzte mal so gefrohren habe. Man vermutet es gar nicht, aber waehrend es tagsueber zwischen 20 und 25 Grad waren, konnte die Temperatur nachts schnell mal auf 3-5 Grad fallen. Und unsere $10-Schlafsaecke vom Walmart hielten uns leider auch nicht besonders warm. Zudem mussten wir unser gesamtes Essen und alles was nur irgendwie riecht (Shampoo, Crème) in einen Eisenschrank auf unserem Zeltplatz packen, weil es in der Gegend nur so von Baeren wimmelte. Ein etwas beunruhigender Gedanke, wuerde ich sagen. Und ja, am naechsten Tag fanden wir tatsaechlich Baerenspuren direkt vor unserem Zelt. Einen Baeren habe auch gesehen, zum Glueck aber nur aus dem Auto.

Als naechstes stand Yosemite National Park auf dem Plan, allerdings haetten wir dafuer schon Monate zuvor einen Campingplatz reservieren muessen. Was tun? Folgendes: Man komme um zwei Uhr morgens am Park an und stellt sich in abwechselnden Schichten in die bereits vorhandene Warteschlange und einen der “First-comes-first-serves” Campingplaetzte zu ergattern. Genau das taten wir. Waehrend einer in der Schlange wartete, schliefen die anderen im Auto. Nach 1 Stunde und 15 Minuten wurde gewechselt. Im Endeffekt war es den Aufwand aber nicht Wert gewesen, da an dem Wochenende Memorial-Weekend war, die Leute also freihatten und der Park voll mit Beuschern und dementsprechend mit Autos war, was e suns teilweise unmoeglich machte machte ueberhaupt irgendetwas zu sehen. Schade drum.

Schliesslich machten wir uns auf nach Sacramento, von wo aus wir zu einer Goldmiene gefahren sind und dann endlich steuerten wir unser letztes Ziel an: San Francisco. Diese Stadt hat es bereits am ersten Tag in die Top 5 meiner Lieblingsstaedte geschafft. Viktorianische Altbauten in den buntesten Farben, extreme steile Strassen, die einem das Fahren mit einem Schaltauto zur Tortur machen wuerden und diese “laid-back” Atmosphaere, die man in der gesamten Stadt spuert. Vor allem mochte ich Haight-Ashbury, weil man da noch das Flair der Hippie-Zeit in den 60ern sieht. Dort reihen sich Haeuser in leuchtendem Blau und Gelb, es riecht ueberall nach Gras und man trifft auf Gestalten, die sich ganz und gar der Counterculture verschrieben haben. Da kommt es auch mal vor, dass man am helligsten Tage auf der Hauptstrasse gefragt wird, ob man an etwas Gras interessiert ist…es hatte schon ein Bisschen was von Amsterdam. Ansonsten haben wir uns noch das ehemalige Gefaengnis Alcatraz angeschaut, waren im Golden Gate Park und dort in der Academy of Science (eine Kombination aus Aquarium, Planetarium und Natural History Museum), in Chinatown und an der Golden Gate Bridge, die leider zur Haelfte von einer Nebelwolke eingehuellt war. Samstag Abend musste ich mich auch schon schweren Herzens von Daphne und Valerie verabschieden, die am naechsten Morgen ihren Flug zurueck nach Frankreich antraten. Ich dagegen musste schon an dem Abend losziehen, auch wenn ich gut noch ein paar Tage haette dranhaengen koennen.

Jetzt bin ich wieder in Millersville und es hat sich so viel veraendert. Ich wohne nicht mehr im International House, sondern bei einer Freundin. Zum einen habe ich momentan also kein richtiges zu Hause. Zudem sind im International House jetzt zwei meiner besten Freunde, die auch untereinander nur gut befreundet waren, ein Paar, womit ich im Leben nicht mit gerechnet haette. Zudem ist das Haus momentan ziemlich leer. Ueberhaupt ist diese letzte Woche hier ziemlich planlos und es kommt mir vor, als wuerde ich nur Zeit totschlagen.Alles in allem werde ich einfach versuchen alle Leute noch einmal zu sehen und mich von ihnen zu veranschieden.

Meiner Rueckkehr nach Deutschland stehe ich mit gemischten Gefuehlen gegenueber. Es hat so lang gedauert, bis ich mich hier eingelebt habe und jetzt, wo mir hier endlich ein Leben aufgebaut habe, muss ich es schon zuruecklassen. Und viele Freunde habe ich auch erst im zweiten Semester kennen gelernt. Demnach konnten wir auch nicht beonders viel Zeit miteinander verbringen. Ich war einfach so lange weg und mein Leben hier war so anders, dass ich gar nicht weiss, ob ich das Leben, das ich in Deutschland hatte, ueberhaupt noch will. Hier in den Staaten bin ich so viel aktiver, ich unternehme viel mehr, versuche so viel wie moeglich mitzinehmen, weil ich eben weiss, dass meine Zeit hier nur begrenzt ist. In Deutschland dagegen, verlaeuft mein Leben eher passiv. Ich habe Plaene, unendlich viele, die aber nie zur Umsetzung kommen. Das sollte sich natuerlich aendern, sobald ich wieder da bin, aber in der Theorie ist ja bekanntlich immer alles einfacher als in der Praxis.

1 Kommentar 2.6.09 17:20, kommentieren

USA-Tour

Wird mal wieder Zeit euch ueber den Stand der Dinge zu informieren. Vor zwei Woche hat meine grosse USA-Rundreise begonnen. In der ersten Woche war ich in Boston und New York. Leider hatte es das Wetter nicht unbedingt gut mit uns gemeint, weil es an jeweils einem Tag in beiden Staedten wie aus Eimern gegossen hat und mein Regenschirm natuerlich kaput war. Trotzdem ist Boston eine der schoensten Staedte, die ich je gesehen habe. Ich war dort mit meiner Freundin Mirjam und wir sind den sogenannten “Freedom Trail” gelaufen, bei man in warsten Sinne des Worten einer roten Linie auf dem Boden folgt, die einen zu alles wichtigen historischen Punkten der Stadt fuehrt. In New York waren wir Ja mittlerweile schon fortgeschritten, demnach gab es nicht mehr so viel Sightseeing. Meine Freundin Neeta ist gerade zu ihrem Freund nach Queens gezogen, also war es auch eine super Gelegenheit bei ihrer nepali-indischen Verlobungsfeier dabei zu sein. Ich hoffe wirklich, dass ich zu ihrer Hochzeit in Nepal kommen kann.

Die erste Woche raste nur so dahin und bevor ich mich versah sass ich schon im Flieger nach Las Vegas. Dort angekommen, habe ich mir den weltberuehmten Las Vegas Strip angeguckt. War schon ganz schoen, aber ich glaube auch, dass ich, jetzt wo ich ihn gesehen habe, nicht unbedingt nochmal hinmuss. Viel laenger bin ich dort auch nicht geblieben, den am naechsten Morgen ging es gleich weiter zum Grand Canyonn, wo wir ueber Nacht zelten wollten. An dem Abend haben wir uns den Sonnenuntergang am Grand Canyon angeguckt und am naechsten Tag sind wir die Schlucht runtergewandert. Leute, ich kann euch sagen, der Grand Canyon ist mit einer der schoensten Orte, die ich je gesehen haben. Allein diese Farbuebergaenge an den Felsen…*schwaerm*. Hiernach war dann Kalifornien angesagt, erster Stopp: Death Valley, die man aus den ganzen Cowboy-Filmen kennt. Death Valley war unglaublich. Ganz anders, als der Grand Canyon, aber nicht minder beeindruckend. Erst fahrt man durch eine Art Strauchwueste und ploetzlich steht man vor gruenen Bergen, die einen an Irland erinnern. Auf dem Rueckweg dann trifft man auf Sandduenen. Man merkt auch deutlich die Temperaturunterschiede.

Endlich dann, sind wir vorgestern in Los Angeles angekommen. Wir uebernachten bei einem Typen, der in einem Loft wohnt. Gestern sind wir dann erstmal zum Hollywood Boulevard gefahren und den Walk of Fame entlang geschlendert, dann sind wir zu den Beverly Hills und dort nach Bel Air gefahren und haben uns die ganzen Villen angeguckt. Schon sehr geil, aber dort leben wuerde ich trotzdem nicht so gern, weil ich mir wohl eher wie im Gefaengnis vorkomnmen wuerde. Meisten sieht man die Villen naemlich gar nicht weil sie von meterhohen Hecken und Zaeunen umschlossen sind. Abends warne wir auf einem Farmers Market, wo ich mir super guenstig leckere Himbeeren und Brombeeren gekauft habe. Heute gehen wir noch einmal zum Hollywood Boulevard und danach zu Malibu Beach, in der Hoffnung, dass es warm genug sein wird. Denn, ob ihr es glaubt oder nicht, es ist ueberraschend Frisch hier, vor allen abends.

Als naechstes steht Santa Barbara auf dem Plan und dann Sequoia und Yosemite National Park und zu letzt San Francisco. Ich werde auf jeden Fall versuchen, mich dann nochmal zu melden.

1 Kommentar 16.5.09 19:40, kommentieren

Zwischen Stress und Abschiedsstimmung

Jaaa, ich weiß, ihr seid alle ganz böse auf mich, weil ich kaum noch hier reinschreibe. Aber momentan bin auch wirklich permanent auf Trapp und versuche all das, was ich noch machen will in die extrem kurze Zeit zu packen, die mir hier noch geblieben ist. Ich weiß zwar, es sind nur noch knappe zwei Wochen, die ich noch in Millersville sein werde, aber so richtig realisiert, habe ich es noch nicht. In Sachen Uni arbeite ich mich langsam durch den Arbeitsberg aus Projekten und Essays. Zum Glück habe ich keine Klausuren. Ich kann euch sagen, ich freue mich schon richtig auf die gute alte deutsche Uni, in der ich guten Gewissens eine ganze Woche auch mal GAR NICHTS tun kann. Hier undenkbar. Du wirst regelmäßig überschüttet mit kleinen Assignments, Readings, Essays, Projekten usw. und so langsam reicht es mir wirklich. Nebenbei versuche ich noch so viel Zeit wie möglich mit meinen Freunden zu verbringen. Hier im MIH haben wir nächste Woche unser „Ethnic Picknick“, eine Art Abschiedsfeier, für die jeder eine Spezialität aus seinem Heimatland zubereitet.

Gestern dann, war ich endlich das erste Mal in Philadelphia, obwohl es gerade mal eine Stunde weg liegt. Ich hatte mir schon die ganze Zeit vorgenommen dorthin zu gehen, aber es nie geschafft. Und da dieses Wochenende hier das letzte war, an dem ich Zeit hatte, dachte ich mir „Jetzt oder nie“ und hab mich einfach in den Zug gesetzt und bin nach Philly gefahren. Da wir kurz vor den Endklausuren stehen, konnte sich leider keiner finden, der mich begleitete, aber dennoch hatte ich einen super schönen Tag dort. Es hat auch seine Vorteile irgendwo ganz allein hinzugehen, weil man wirklich nur das machen kann, was man selbst und auf niemanden Rücksicht nehmen muss. Zum Beispiel habe ich in Philly nicht einfach nur die großen Touristenpunkte, wie Independence Hall, Liberty Bell usw. abgeklappert, sondern hab mich auch mal für eine Stunde in den Park gesetzt und bin danach durch kleine, Sträßchen und Gässchen gelaufen, in denen man normal keine Touristen findet. Nebenbei habe ich auch viel Zeit beim Shoppen verbracht und mal wieder viel zu viel Geld ausgegeben, u.a. für meine neuen Chucks, die ich für ganze 35$ ergattert habe. Schon komisch, denn früher mochte ich Cucks nie wirklich, weil ich sie immer mit diesen pseudo-alternativen Emo-Kids assoziiert habe, aber irgendwie habe ich doch Gefallen an ihnen gefunden.

Wie auch immer, ich kann es immer noch kaum glauben, dass mir noch weniger als zwei Wochen geblieben sind. Am 2. Mai ist die offizielle Graduation Ceremony, zu der ich von meiner Freundin Neeta eingeladen wurde, die nach diesem Semester ihren MBA haben wird. Ich will gar nicht daran denken, dass ich mich für unbestimmte Zeit von ihr verabschieden muss. Über die Monate sind wir unheimlich zusammengewachsen. Für mich ist sie schon fast wie eine Schwester. Es ist diese bedingungslose Freundschaft, bei der du weißt, dass der andere absolut hinter dir steht und dass du ihm unter allem Umständen vertrauen kannst. Sie hat mich sogar schon nach Nepal, ihrem Heimatland, eingeladen und ich bin mir ganz sicher, dass ich auch kommen werde (auch wenn das vielleicht erst nach meinem Studium möglich ist). Ist schon Wahnsinn, was für Kontakte man während eines Auslandsaufenthaltes knüpft, und es ist mit das Bereichernste an der ganzen Sache. Es gab echt Momente für mich, in denen alles einfach nur zum Kotzen war und vor allem Neeta war eine Person, die es auf wundersamer Weise meistens schaffte, meine Stimmung um 180° zum Positiven zu wenden. Sie gehört definitiv zu den Leuten, die ich am meisten vermissen werde und ich bin einfach nur dankbar, sie kennen gelernt zu haben.

Nach den zwei Wochen trete ich dann meine große Reise an. Erst geht es nach Boston und noch einmal nach New York und dann direkt nach Las Vegas und Californien. Einerseits ist der Gedanke daran schon aufregend, andererseits ziemlich beängstigend, wenn man bedenkt, dass ich ganze vier Wochen unterwegs sein werde. Momentan bin ich so ziemlich überwältigt von meinen ganzen Erlebnissen, Eindrücken und der generellen Abschiedsmentalität hier. Daher versuche ich nicht so viel darüber nachzudenken, sondern mich mehr oder weniger einfach treiben zu lassen, bis es dann wieder zurück in die Heimat geht, ein Gedanke, der mir gleichzeitig Vorfreude, aber auch Magenschmerzen beschert...

20.4.09 05:19, kommentieren

Florida

Wow, was für eine Woche. Soviel also zu meiner Spring Break. Wie ihr ja bereits wisst, hatten wir die glorreiche Idee, einen Road Trip nach Florida zu machen. Wir hatten, das Glück, dass jemand mitkam, der uns sein Auto zur Verfügung stellen konnte und wir so keins mieten mussten. Mit fünf Leuten, Amanda, Daphné, JC, Ben und mir, haben wir das Auto also vollgepackt und sind einfach losgefahren Richtung Süden.

Unser erster Stopp war Charleston in South Carolina. Wir haben bei einer Profi-Fotografin, Valerie, übernachtet, die ich über Couchsurfing ausfindig gemacht habe. Tja, leider hat es fast den ganzen Tag über geregnet, von daher konnten wir von Charleston leider nicht so viel schön. Eins ist klar, die Stadt ist der absolute Hammer. Wunderschön und (für amerikanische Verhältnisse) sehr alt. Da drei Leute in unserer Gruppe noch unter 21 waren, war leider auch nichts mit Party, was mir schon ziemlich auf den Keks ging. Zum Glück konnte Valerie uns auf einen Geburtstagsparty mitnehmen, die in einer Bar stattfand, die eh bald schließt und es den Besitzern daher am Allerwertesten vorbeiging, ob Minderjährige da waren oder nicht. Trotzdem blieb es meine und Daphnés Aufgabe, den Alkohol an der Bar zu bestellen, da nur wir beide über 21 waren.

Als nächstes war Disney geplant. Am nächsten Tag also ging es weiter nach Tampa, wo wir im bei Bens Onkel übernachten konnten. Von dort war es eine gute Stunde bis nach Disney World. Wir hatten das Glück, von Josh, mit dem ich zusammen ein Seminar an der Uni habe, zwei freie Tickets zu bekommen, da er für Disney arbeitet. Wir Mädels sind nach Disney gegangen, während die Jungs in Tampa blieben. Eigentlich war geplant gewesen, dass Daphné und ich nach Disney und die anderen zu den Universal Studios gehen, die Jungs haben dann aber spontan ihre Meinung geändert und wollten dann plötzlich nicht mehr. Also haben Daphné und ich Amanda mitgenommen, auch wenn dies bedeutete, dass wir im Endeffekt doch noch ein Ticket kaufen mussten. Alles in allem war Disney richtig schön. Josh war mit von der Partie und hat uns etwas herumgeführt, was uns bestimmt eine Menge Zeit gespart hat, da wir Mädels allein in dem riesigen Park total verloren gewesen wären. Und im Endeffekt haben wir es geschafft, drei von vier Parks zu sehen. Erst waren wir im sogenannten „Epcot“, wo man zunächst eine Art Welt der Zukunft zu sehen bekommt und anschließend einige Länder der Welt vorgestellt werden, darunter China, Japan, Frankreich, Deutschland, USA usw.

Wie nicht anders zu erwarten war, wurde Deutschland hoffnungslos auf Bayern reduziert, mit einem Oktoberfest-Restaurant in dem es Bier und Weißwurst gibt und zudem wurde überall diese furchtbare Schunkel- und Bierzelt-Musik gespielt. Dann gibt es in jedem Land noch kleine Geschäfte, in denen für das Land typische Dinge verkauft werden. Im Deutschland-Bereich gab es Christbaumkugeln (die Amis denken tatsächlich, dass es ein alter deutscher Brauch ist eine Christbaumkugel in Form einer saueren Gurke an den Baum zu hängen. Ich habe noch nie davon gehört, aber ich bin ja auch nicht ganz nach deutscher Kultur aufgewachsen. Wenn ihr also irgendwas darüber wisst, dann klärt mich bitte auf). Wie auch immer, ich war total aus dem Häuschen, als in einem anderen Teil deutsche Süßigkeiten, Bahlsen-Kekse, Milka und Rittersport Schokolade, Haribo-Krams und Mozartkugeln verkauft wurden. Bei den Mozartkugeln konnte ich nicht widerstehen und habe mir daher eine gekauft. Dann gab es noch eine Ecke in der deutsches Gebäck verkauft wurde Natürlich war auch hier nicht alles so ganz deutsch, da die Haribo-Gummibärchen in verdächtig leuchtenden Farben erstrahlten und das Gebäck mit knallbunter Glasur überzogen war. Die bemitleidenswerten Mitarbeiten mussten alle in komischen Dirndl bzw. Lederhosen rumlaufen. Da soll sich noch einer wundern, warum die Amis denken, dass wir alle so rumlaufen und jeden Tag Sauerkraut und Würstchen essen.

Ansonsten waren wir noch in den USA, wo wir uns eine Show zur amerikanischen Geschichte angeschaut hatten, und anschließend in Japan und Frankreich. Im Hollywood-Park stoppten wir kurz am Tower of Terror und dann ging es auch schon zu Magic Kingdom mit dem Cinderella Schloss, über dem kurz vor Schluss ein Feuerwerk erstrahlte (Ich hab mich gleich wie bei „Rhein in Flammen“ gefühlt. Freu mich schon so, euch alle dann wiederzusehen!!).

Unser nächster Stopp war Miami. Den Morgen nach unserer Ankunft verbrachten wir am Strand, wo man den ein oder anderen schnuckeligen Surferboy begutachten konnte. Nur leider war es temperaturmäßig etwas frisch und das Wasser dementsprechend kalt. Tja, leider unterschätzt man dann auch die Intensität der Sonne, was uns Mädels prompt einen dicken Sonnenbrand eingebracht hat. Abends waren wir dann kubanisch essen und danach hieß es für uns, einen Club zu finden, in den auch unter 21-Jährige reinkommen. Keine leichte Aufgabe. Im Endeffekt haben wir einen Club gefunden, in den allerdings nur Mädels unter 21 reingelassen wurden. Wir Mädels machten uns also fertig für den Club, während die Jungs mit Bier versorgt sich selbst überlassen waren. Tja, im Club dann kam die große Überraschung: Wir waren die einzigen Weißen dort. Der Rest waren Latinos und Schwarze. Was solls, dachten wir uns und haben uns trotz allem von den lateinamerikanisch untermalten RnB-Klängen mitreißen lassen. Immerhin war der Eintritt frei, auch wenn ein alkoholisches Getränk in einem winzigen Plastikbecher satte 12$ gekostet hat. Am nächsten Morgen hatten wir dann eine Airboat-Tour durch die Everglades und dann ging es auch schon weiter nach Tampa.

Von Tampa aus sind wir erst an den Strand in Clearwater gefahren und abends waren wir in Tampa in einem Comedy-Club. Ich hatte schon Probleme alles zu verstehen, aber insgesamt war es doch richtig gut. Auf dem Rückweg nach Pennsylvania hatten wir unseren letzten Stopp in Atlanta, wo wir bei Amanda’s Onkel übernachten konnten. Nachdem wir Steak, Mais und Kartoffelbrei zum Abendessen bekommen hatten, wurden wir im Haus herumgeführt. Leute, dieses Haus war der absolute Wahnsinn! Es ist riesengroß, hat 8 Schlafzimmer, von denen jedes ein eigenes Badezimmer hat (Ich hatte mein eigenes Schlafzimmer!), ein Heimkino, einen Riesen Partykeller, aber mein persönlicher Favorit war immer noch der wunderschöne Flügel. Ich fand es schon schade, dass wir nur über Nacht blieben und am nächsten Morgen schon wegmussten.

Alles in allem bin ich aber schon froh wieder zurück zu sein. Diese Reise war schon ziemlich anstrengend, allein aufgrund der ganzen Fahrerei. Und im Endeffekt war es nicht ganz so wild, wie ich es befürchtet hatte. Ist auch gut so. Als nächstes dann, plane ich an die Westküste zu gehen, diesmal allerdings mit Leuten, die über 21 sind .

15.3.09 21:23, kommentieren

Be professional!

Seit zwei Wochen nun bin ich jeden Montag und Mittwoch an der Reynold’s Middle School und erlebe dabei den amerikanischen Schulalltag. Dabei wurden wir absichtlich zu sogenannten „urban schools“ geschickt, also Schulen in Städten, in denen der Immigranten-Anteil recht hoch ist. So sollen die an „heile-Welt sub-urban Schools“ gewöhnten Studenten den wahren Hardcore-Schulalltag erleben und für ihr zukünftiges Lehrerdasein abgehärtet werden. Doch, eins kann ich euch sagen, vergesst Lizzy McGuire und all die anderen Serien in denen ein komplett verkitschtes Bild von amerikanischen Schulen vermittelt wird. Es geht viel nüchterner und vor allem normaler zu. Zu allererst tragen alle Schüler Schuluniformen, was zwar nicht amerikanischer Standard ist, aber vor allem an Schulen in Städten recht verbreitet ist. Auch für die Lehrer gibt es eine Kleiderordnung: für Männer bedeutet das Hemd und Schlips und Stoffhose, für die Damen meist Bluse, Stoffhose oder Rock. Generell also relativ schick und bloß keine Jeans!! „Look professional!“ Das wurde uns zuvor in unserem Seminar eingetrichtert.

Ich muss gestehen, ich fand es schon lustig, wie die Mädels mit denen ich immer zur Schule fahre am ersten Tag total aufgeregt waren, sogar fast die Krise bekamen, weil sie nun tatsächlich an einer richtigen Schule sein werden. Ich bin mit eine ältesten im ganzen Seminar und habe aufgrund meiner vorherigen Praktika ja schon diverse Erfahrungen u.a. im Unterrichten gesammelt. Von daher sah ich dem ganzen ziemlich gelassen entgegen. Und unterrichten steht bei diesem Praktikum ja auch nicht unbedingt auf dem Programm.
Wie auch immer, ist schon interessant die kleinen aber feinen Unterschiede zu deutschen Schulen zu sehen, z.B. hat jeder Lehrer seinen eigenen Klassenraum und die Schüler wandern, während sie ihr Zeug im Schließfach aufbewahren. Zudem ist an jedem Morgen natürlich die typisch amerikanische „Pledge of Allegiance“ fällig, bei dem jeder Schüler aufsteht, sich zur amerikanischen Flagge wendet und Treue zum Vaterland schwört.

Ein weiterer Unterschied ist, dass der Lehrer praktisch den ganzen Tag dieselbe Unterrichtsstunde hält, nur jedes Mal vor einer anderen Klasse. Ich bin bei einem Bio-Lehrer für die 7. Klasse, d.h. in jeder Stunde trottet eine andere 7. Klasse ein und der Lehrer hält jedes Mal die gleiche Stunde mit kleinen Variationen, je nach Stand der Klasse. Das ist auch ein weiter Unterschied. Während es in Deutschland ja separate Sonderschulen bzw. Förderschulen gibt, ist in den Staaten alles in einer Schule integriert. Schüler, die spezielle Unterstützung brauchen, werden dabei in „Special Education Classes“ gesteckt. Ich bin ehrlich gesagt froh, dass ich in Deutschland weder jede Stunde dasselbe unterrichten muss, noch „Sonderschüler“ in meiner Klasse haben werde.
Auf jeden Fall ist es total interessant das alles mal zu sehen. Beim letzen Mal, hat die Klasse Ratten seziert und ich kam, entgegen meiner Erwartungen, ziemlich gut damit klar und konnte richtig viel mithelfen. Von der Uni bin ich es gewöhnt Mäuse und anderes Getier zu sezieren, doch bei Ratten hört es echt bei mir auf. Ich werde nie vergessen, wie einmal in New York in einer dieser Seitenstraßen Ratten vor mir herliefen. Ich hab mich schon fast geweigert den Weg weiter zu gehen und bei jedem Schritt paranoid um mich herum geguckt, total in Panik dass mich einer dieser Viecher anspringt. Umso überraschter war ich, wie leicht es mir viel, die Ratten im Unterricht mit bloßen Händen anzufassen.

Ab morgen dann ist Spring Break und ich habe ja schon vorher angekündigt, dass es für mich und vier weitere Glückliche nach Florida geht mit einem Zwischenstopp in Charleston, South Carolina. Zudem habe ich noch die einmalige Gelegenheit, von einem Freund, der bei Disney World arbeitet eventuell freie Eintrittskarten dafür zu bekommen. Es wäre echt Wahnsinn, wenn das klappen würde. Disney ganz umsonst!! In Miami und Tampa werden wir dann Sau rauslassen und feiern gehen. Das witzige ist, dass nur Daphné (das Mädel aus Frankreich) und ich 21 sind. Aber dann machen wir eben zu zweit die Kneipen und Clubs unsicher, während sich die anderen bei Limonade in den Mc Donalds setzten können (ich bin ja so schadenfroh und gemein...)

27.2.09 06:32, kommentieren

Herz noch in Deutschland

Gerade in den letzten Tagen bin ich mit den Gedanken sehr oft in Deutschland. Hab schon ein Bisschen mit meinem Heimweh zu kämpfen. Jetzt, wo schon über die Hälfte meiner Zeit hier vorbei ist, merke ich, dass ich mich auch immer mehr auf zu Hause freue. Ist ja schön und gut, aber manchmal muss ich mich dann wieder daran erinnern, dass ich ja noch in den Staaten bin und meine Zeit hier genießen sollte, solange wie es eben geht. Letztes Wochenende war ich auf einem Konzert, bei dem eine Band Beatles-Songs gespielt hat. War schon ziemlich cool. Samstag hatten wir "Girls-Night" und sind mit insgesamt 11 Mädels zu "Apple Bees" Essen gegangen und danach Rollschuhlaufen in einer Halle. Ich weiß gar nicht, ob es sowas in Deutschland gibt. Wahrscheinlich leider nicht. Dann war es eben wieder ein Erlebnis typisch amerikanischer Kultur.

Zur Spring Break gehts nach Florida, erst nach Orlando Disney World für einen Tag, dann Miami, Everglades und schließlich Panama City.

Wie eben schon gesagt, freue ich mich schon auf diverse Dinge zu Hause, wie zum Beispiel einfach mit dem Fahrrad fünf Minuten zur Innenstadt fahren und dann zwischen 15 verschiedenen Kneipen wählen zu können und sich keine Gedanken darüber machen zu müssen, ob mich jemand nach Hause fahren kann. Dann freue ich mich endlich wieder für mich selbst kochen zu können und nicht jeden Tag der Versuchung von frisch gebackenen Brownies oder Chocolate Chip Cookies ausgesetzt zu sein. Am meisten freue ich mich natürlich die liebsten Menschen der Welt wieder zu sehen

Aber bis dahin werde ich die Staaten noch etwas unsicher machen. Also dann bis in 4 Monaten!

4.2.09 04:18, kommentieren

Halbzeit

So langsam finde ich es etwas anstrengend den Blog hier up to date zu halten. Hab ihn ja schon ziemlich lange. Wahrscheinlich wird mein Amerika-Jahr einfach der krönende Abschluss. Die Hälfte hab ich ja schon hinter mir. Kaum zu glauben. Ihr werdet euch vielleicht fragen, wie mein Fazit lautet.

Ich kann gar nicht sagen, ob die Zeit besonders schnell oder langsam vorbei gegangen ist. Klar ist es schon komisch festzustellen, dass plötzlich die Hälfte rum ist, allerdings kamen mir die letzten 5 Monate auch wirklich wie 5 Monate vor. Trotzdem bin ich froh noch weitere 5 Monate bleiben zu können, da jetzt einfach nicht der richtige Zeitpunkt wäre um zu gehen.
Ich hatte schon viele tolle Momente hier, wenn ich da an die wahnsinnigen Tage in New York denke, in denen wir einfach bei irgendwelchen Leute in Manhattan übernachtet haben, aber auch generell die Zeit, die ich mit meinen Freunden hier verbracht habe. Genauso gab es viele Momente, in denen es unheimlich schwer war hier zurecht zu kommen, vor allem die ersten Wochen, in denen ich den Kulturschock verdauen musste, und Deutschland unheimlich vermisst habe. Und dann war da natürlich das etwas trostlose Weihachten. Eigentlich war ich ja von meinem Roommate nach Hause eingeladen worden, das hat dann aber leider nicht hingehauen. Zum Glück hat der Betreiber des International House einen Christmas-Brunch bei sich zu Hause veranstaltet.
Silvester war schon etwas lustiger. Wir haben waren mit ein paar Leuten bei jemandem zu Hause, haben dort gegessen, Spiele gespielt usw. Vor Mitternacht sind wir in die Stadt gegangen, was wir uns aber hätten sparen können, da es aufgrund starken Winden kein Feuerwerk gab. Momentan versuche ich die langweiligen Tage hier im International House zu überstehen. Sind zum Glück nur noch zwei, denn Donnerstag fahre ich mit ein paar Freunden nach Maryland an den Strand bevor das nächste Semester losgeht.

Eines meiner Hauptziele hier war es mich persönlich zu verändern, selbstbewusster und gelassener zu werden. Von Gelassenheit kann momentan keine Rede sein, da es mich schon ganz schön gefrustet hat nichts Besseres aus meiner Winter-Break gemacht zu haben. Ob ich selbstbewusster geworden bin, weiß ich nicht. Was sich auf jeden Fall verändert hat ist, dass ich total den Drang habe zu reisen und neue Dinge zu sehen. Ich hoffe, das ist nicht nur ein vorübergehender Zustand solange ich hier bin. Eine Sache, die ich hier gelernt habe, ist mehr Eigeninitiative zu zeigen, sei es auf Leute zu zugehen oder eine Reise zu planen. Es passiert ja viel zu oft, dass man mal plant irgendwann mal irgendwo hinzufahren, es dann aber im Sande verläuft, weil man ja nie Zeit hat und sooo viel zu hat. Mittlerweile bringt mich diese Einstellung nur noch zur Weißglut, weil ich mein Leben nicht mit Arbeit und Stress verbringen will, während ich all die schönen Dinge, die die Welt zu bieten hat verpasse.
Ein ganz großer Vorsatz für dieses Jahr ist, viel aktiver zu werden in meiner Freizeit und viel mehr zu unternehmen, auch wenn es nur das Ludwigsmuseum in Koblenz oder Spiegelslust in Marburg ist (für alle Nicht-Marburger: Spiegelslust ist ein Turm in Marburg, in dem angeblich Rapunzel eingesperrt gewesen sein soll...).

Dann wollte ich ja unbedingt meinen deutschen Akzent verlieren. Mittlerweile habe ich allerdings realisiert, dass das wohl nicht passieren wird und das es auch nicht schlimm ist, wenn man immer etwas raushören wird, wo ich herkomme, solange man mich versteht. Außerdem habe ich mir hier ein paar typische Ausdrucksweisen angewöhnt, z.B. setzte ich immer „kind of“, bzw. eher "kinda" vor alles möglich („This was kind of creepy.“). Dann neigt man hier dazu dasselbe Wort zweimal hintereinander auszusprechen, um es zu betonen, z.B.
A: „I have a date tonight!“
B: “Really! Like a date-date?” (Also, ein richtiges Date mit einem Kerl.)
Ein anderer „Slang“ hier, ist bei Zeitangaben ein „-ish“ anzuhängen, wenn die vorgegebene Zeit noch nicht feststeht, z.B. „I’m not sure, but I think we’re leaving around 8-ish.“

Ich erinnere mich außerdem noch genau, wie ich mir geschworen habe, mir nicht diese typisch amerikanischen Sprechweisen anzugewöhnen, wie das starke Rollen des „r“ am Ende eines Wortes (z.B. Decemberrrr), oder der bekannte „Flap“ bei dem man „t“ eher wie „d“ ausspricht, z.B. „budder“ statt „butter“. Tja, habe ich mich daran gehalten? Nein, ich rolle das „r“ am Ende eines Wortes kräftig, und „flappe“ immer das „t“ zu einem „d“, also statt „water“ gibts bei mir immer „wadderrrrr“. Dann hab ich mir auch angewöhnt immer „Hi, how are you???“ und bei jeder Gelegenheit „sorry“ zu sagen. Amis entschuldigen sich echt bei jeder Kleinigkeit, auch wenn sie an dir vorbeigehen und dich kurz berühren.

Am meisten bis ich darauf gespannt, ob ihr das Gefühl haben werdet, dass ich mich verändert habe. Ich selbst kann das gar nicht sagen. Ich fühle mich nicht unbedingt sehr anders, außer das ich mir vielleicht etwas leichter fällt auf Leute zuzugehen. Ein Semester bin ich ja noch hier. Vielleicht durchlebe ich in der Zeit ja noch weitere Wandlungen. Noch bin ich nicht ganz zum American Girl mutiert. Ich habe zwar eine ausgeprägte Leidenschaft für Brownies entwickelt und koche mir auch ab und zu mal ein Ei in der Mikrowelle (das geht echt so schnell!), aber ich schätze es immernoch meine Füße zu benutzen um irgendwo hinzukommen, bzw. mein Fahrrad (auch wenn ich die einzige (!) auf dem Bürgersteig bin), Burger und Pommes sind noch nicht mein Grundnahrungsmittel geworden und ich würde auch niiieee auf die Idee kommen in Jogging- oder sogar Pyjamahosen zur Uni zu gehen, bzw. im Winter Flip-Flops zu tragen. Zudem finde ich die Schokolade hier nach wie vor mittelmäßig bis schlecht. Hershey ist eben gar nichts gegen gute Lindt-Schokolade.

2 Kommentare 8.1.09 02:33, kommentieren